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Geschichtlicher Überblick Im Jahr 1525 gründete sich in der Schweiz eine religiöse
Gemeinde mit den Namen "Gemeinde Christi". Sie lehnte die
üblichen Kirchengebräuche ab und erstrebte eine Gemeinde nach
dem Vorbild der Apostelgemeinde zu Jerusalem. In Erwartung der Wiederkehr
Christi lebten sie in Gütergemeinschaft und aus dieser Grundhaltung
heraus lehnten sie Kindertaufe ab, sowie die Ablegung eines Eides (damalige
Grundlage der bürgerlichen und staatlichen Ordnung). Durch Prädikanten
(Laienprediger) wurde in geheimen Versammlungen die Lehre gepredigt
und die Gläubiger empfingen als Erwachsene die 2. Taufe als Zeichen
des Bundes, den die Seele mit Gott geschlossen hatte. Durch die Trennung
von der tradionellen Kirche fiel die "Gemeine Christi" unter
das kirchliche Gebot gegen Ketzerei sowie unter dem Tatbestand der Aufruhr
in der weltlichen Obrigkeit. Der Reichstag zu Speyer erließ 1529
ein Mandat gegen die Ausübung der Wiedertaufe und übertrug
die Verfolgung der weltlichen Obrigkeit. |
| In Münster war in dem Jahr 1531/32 durch den Kaplan
der Stiftskirche St. Mauritz Bernhard Rothmann eine starke lutherische Bewegung
ausgelöst worden. Als der Bischof Friedrich von Wied ihn daraufhin
aufgrund der kirchlichen Neuerungen aus dem Amte entließ, suchte Rothmann
Zuflucht in Münster und konnte dort die Bürger zum Luthertum gewinnen.
Daraufhin mußte der neu gewählte Bischof Graf Franz von Waldeck
die Existenz der evangelischen Gemeinde in Münster anerkennen (Vertrag
von Dülmen am 14.2.1533). Die Verfolgung der Melchioriten in den Niederlanden vertrieb viele Bürger außer Landes. Vier niederländische Prädikanten, darunter der Schneider Johann Bockelson aus Leiden, suchten Zuflucht bei der Gemeinde Rothmanns. So nahmen sie Verbindung zu Rothmann und dem Kaufmann Bernd Knipperdolling auf. In der Folgezeit wurden bereits die täuferischen Lehren in Münster spürbar. So wandte sich auch Rothmann den Melchioriten zu und ein Großteil der Gemeinde folgte ihm. Die Verfolgung der Täufer begann im September 1533, als der Bischof Franz von Waldeck in Dülmen eine Gruppe verdächtiger "Täufer" gefangen und hinrichten ließ. Rothmann sah darin einen Bruch des Dülmener Vertrages und leitete daher das Recht zum Wderstand ab. |
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Als sich die Prophezeihung Melchior Hoffmann im Jahre 1533
nicht erfüllte, übernahm der Bäcker Johann Matthys die Führung
der Melchioriten in Amsterdam. Matthys erklärte, die Gläubiger
sollten sich versammeln und mithelfen, die Welt vom Unglauben zu reinigen.
In Kürze werde Gott seinem Volke einen anderen Platz zur Errichtung
des "Neuen Jerusalem" anweisen. Matthys schickte Apostel in das
Land hinaus und befahl ihnen, mit der Taufe zu beginnen. Im Jahre 1534 kamen zwei der niederländische Sendboten in Münster an. Schon nach kurzer Zeit waren 1400 Menschen in Münster getauft. Der Rat der Stadt Münster folgte dem Befehl des Bischofs nicht, die Prädikanten als Aufrührer zu fangen und der Obrigkeit auszuliefern, da die Situation in der Stadt keineswegs bedrohlich war. Am 31.1.1534 erging ein Ratsbeschluss, i.d. die Bürger untereinander sich nicht mißtrauen sollten und jedem sein Glaube gelassen wurde. Somit waren die Täufer als religiöse Gruppe anerkannt und die günstige Situation in Münster ließ Matthys in Amsterdam zu der Erkenntnis gelangen, dass die Stadt Münster das verheißene "Neue Jerualem" sei. Die Prädikanten schrieben Einladungsbriefe an viele auswärtige Gemeinden, nach Münster zu kommen. Gleichzeitig traf Bischof Franz die ersten Vorbereitungen zu kriegerischen Aktionen gegen die Stadt. In Münster mussten alle Männer und Frauen die Befestigungen verstärken, Brücken wurden abgebrochen und Wälle verstärkt. Am 24.2.1534 wurde der Rat der Stadt Münster neu gewählt und die Kaufleute Knipperdolling und Kibbenbrock zu Bürgermeistern gewählt. Auch traf nun Johann Matthys in Münster ein. Dieser forderte die Gemeinde auf, die "Gottlosen" zu vertreiben, damit die "Heilige Stadt" vom Unglauben frei sei. Bis zum Abend mussten alle, die den Empfang der Wiedertaufe verweigerten, die Stadt verlassen (ca. 2000). |
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Matthys prophezeite, dass Münster der Sammelplatz der
Auserwählten sei, die hier das Strafgericht Gottes über die
Ungläubigen überlebten und das Reich des 1000-jährigen
Frieden vorbereitete. Christus würde die Herrschaft übernehmen
bis zum jüngsten Tag. Matthys setzte sich eine Frist für seine
Prophezeihung bis zum Osterfest. Als nichts geschah, verließ er
die Stadt durch das Ludgeritor und starb unter den Spießen der Landsknechte.
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Bischof Franz hatte für die Belagerung Münsters
zunächst nur landeseigene Kräfte eingesetzt. So befanden sich
bis Ende Juni ca. 7000 Landsknechte in sieben Lagern vor Münster. Die
Kosten für das Aufgebot waren sehr hoch, allein für die Söldner
brauchte man jeden Monat 30.000 Gulden. Bischof Franz bemühte sich
hartnäckig um die Hilfe der Nachbarfürsten und am 20.Juni 1534
beschlossen letztendlich die Fürsten von Köln und Kleve, dem Bischof
40.000 Gulden zu leihen. Obwohl es nicht gelungen war, die Stadtgräben von Münster trocken zu legen, beschloss man den Angriff. Der Angriff schlug mit fast 3000 Toten fehl und auch aufgrund der schlechten Zahlungsmoral verließen viele Landsknechte die Lager von Münster. Die glückliche Abwehr des Angriffs bestätigte die Zuversicht der Täufer, dass Münster unter Gottes Schutz stünde. Der Prädikant Dusentschuer erklärte, es sei Gottes Wille, dass der Prophet Johann als König über das Neue Israel und die ganze Welt herrsche. Er nahm den 12 Ältesten das Schwert als Symbol der Regierungsgewalt und überreichte es Bockelson. Der König Bockelson verteilte die wichtigsten Aufgaben der Stadt an seine Getreuen. Knipperdolling wurde Statthalter und Stellvertreter des Königs, Rothmann erhielt als "Worthalter" das Amt des obersten Predigers, Hermann Tillbeck wurde Hofmeister, Heinrich Krechting Kanzler. Da Bischof Franz bei den meisten Fürsten keine Unterstützung fand, wandte er sich an den Kaiser. Am 13.12.1534 beschlossen die Stände von drei Reichskreisen, die Kosten des Krieges gegen Münster für die Dauer von sechs Monaten zu tragen. |
| Im März 1535 schloss sich der Ring um Münster mit
neuen Wällen und Gräben und die Stadt war von nun an von jeglicher
Versorgung abgeschnitten. Die Folgen der Hungersnot zeigten sich bald. Bereits
Ende April verließen alte Männer, Frauen und Kinder in Scharen
die Stadt, um draußen vor den Stadttoren von den Söldnern erschlagen
zu werden. Die Täufer lehnten jedoch jede Übergabe der Stadt ab,
da sie wussten, dass sie als Ketzer keine Gnade erwarten konnten. Im Mai flohen 5 Bürger aus der Stadt, u.a. der Schreiner Heinrich Gresbeck. Sie retteten ihr Leben, in dem sie den Belagerern ihre Hilfe zu einen Anschlag gegen die Stadt anboten. Gresbeck zeichnete die Festungswerke Münsters auf und baute in Wolbeck ein Erdmodell der Wälle und Gräben. Am 25. Juni schwamm er nachts über den Außengraben, zog eine Brücke nach und führte dann 16 Landsknechte zum Kreuztor, wo sie die Wachen überwältigten. Weitere 500 Landsknechte kletterten nach und leisteten sich einen erbitterten Kampf, bis sie im Morgengrauen das Jüdefelder Tor öffnen konnten und somit das Herr nachrücken konnte. Etwa 300 Täufer kämpften noch lange in der Wagenburg, bis sie schließlich festgenommen wurden. Unter ihnen befanden sich die führenden Täufer Bockelson, Knipperdolling, Bernd Krechting, Christian Kerckerinck und Gerlach von Wullen. Nachdem Wullen begnadigt wurde und Kerckerinck bereits in Dülmen vor Gericht gestellt und enthauptet wurde, stellte der Bischof die restlichen drei Täufer öffenstlich zur Schau. Nachdem sie am 20. Januar die letzte Gelegenheit bekamen, ein gütliches Bekenntnis abzulegen und der Wiedertaufe abzuschwören, wurden sie am 22. Januar vor Gericht gestellt. Die Stadtrichter von Münster und Paderborn sprachen das übliche Urteil. Mit glühenden Zangen sollte man sie brennen und dann erdolchen. Ihre Körper sollten zur ewigen Abschreckung am Turm der Lambertikirche hängen. Die Vollstreckung des Urteils auf dem Markt von Münster dauerte vier Stunden und die drei eisernen Käfige wurden hoch oben am Turm aufgehängt. |
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